Vertrauen oder besser Selbstvertrauen?

Das Vertrauen wird sehr oft, und immer wieder, im Zusammenhang mit Führung bemüht. Die Mitarbeiter müssen in die Vision, die Werte und den Vorgesetzten vertrauen, damit sie gute Arbeit leisten können. Das Ziel und der Weg sollen bekannt sein und dafür kriegst du als Chef dann Vertrauen zurück. Ist es wirklich so einfach mit dem Vertrauen, oder ist noch mehr dahinter verborgen?

Als Coach und Trainer begleite und betreue ich viele Unternehmer, die mit dem Vertrauen in der Unternehmung sowie der Führung ihrer Mitarbeiter ein Problem haben. Wenn das Vertrauen nicht da ist oder verloren ging, ist es mit dem Erfolg schnell vorbei.
Was ist denn Vertrauen überhaupt genau?

 

Das Vertrauen

Per Definition ist Vertrauen eine psychologische Perspektive, definiert als subjektive Überzeugung von der Richtigkeit, Wahrheit bzw. Redlichkeit von Personen oder Handlungen, Einsichten oder Aussagen. Dabei gibt es das Vertrauen in einen anderen oder in dich selbst (Selbstvertrauen). Vertrauen ist ein Wort, das seit dem 16. Jahrhundert bekannt ist (althochdeutsch „fertruen“, mittelhochdeutsch „vertruwen“). Im lateinischen „fiducia“ (Selbstvertrauen) oder „fides“ (Treue) definiert. Grundsätzlich ist das Vertrauen ein Phänomen, das in unsicheren Situationen oder bei einem unsicheren Ausgang einer Handlung auftritt. Vertrauen ist auch mehr als nur Glaube oder Hoffnung und benötigt eine Vertrauensgrundlage. In der Psychologie spricht man auch davon, dass „Vertrauen der Wille ist, sich verletzlich zu zeigen“ oder auf jeden Fall bereit zu sein, auch verletzt werden zu können, wenn dieses Vertrauen missbraucht wird.

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“,

ist genauso ein Glaubenssatz, der uns von früh her in unserer Erziehung eingeimpft wird, weil er uns das Gefühl gibt, dass wir damit die Verletzlichkeit unter Kontrolle haben können.

 

Selbstvertrauen um Mitarbeiter zu vertrauen

Immer wieder stelle ich bei Führungskräften welche ein „Vertrauensproblem“ in ihrem Team oder Firma haben fest, dass es nicht sehr weit her ist mit ihrem Selbstvertrauen. Wie willst du Vertrauen geben können, wenn du Angst hast selbst verletzt zu werden dabei? Angst ist im Übrigen eines der ganz grossen Probleme und Sorgen unserer heutigen Gesellschaft. Werden wir nicht über Angst vor Krieg, Seuchen, Krankheiten und dem nahenden Tod durch Politiker und die mächtigen Zeitzeugen versucht zu beeinflussen und uns damit zu führen?

Angst ist ein Zustand, der zuerst durch Wahrnehmung mittels unserer Sinnesorgane entsteht. Diese leiten Informationen an unser Gehirn weiter, welches versucht diesen Sinneseindrücken eine Bedeutung zu geben. Findet das Gehirn als Bedeutung aus unserer Erfahrung eine Gefahr oder eben Nichts, leitet es diese an unser limbisches System weiter, welches nun die Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin, Kortisol und Kortison veranlasst. Diese Hormone nimmst du dann als Angst wahr.

 

Flucht, Kampf oder Apathie

Je nach Situation und Menschentyp der du bist, wirst du unterschiedlich auf eine angstvolle oder gefährliche Situation reagieren. Dabei ist diese Reaktion sehr subjektiv und wenig vorhersagbar.

Flucht: Du wirst die Flucht ergreifen um der Gefahr zu entkommen. Du willst damit dein Leben retten, weil du dich im tiefsten Inneren um dein Leben bedroht fühlst. Das zeigt sich im beruflichen Umfeld sehr oft durch folgende Verhaltensweisen:

– aufstehen und davongehen ohne was zu sagen
– auf dem Stuhl drehen, Beine übereinanderschlagen und aus dem Fenster schauen
– aufstehen und zum Kaffeeautomat gehen und einen Kaffee holen
– fluchtartig das Büro verlassen und auf die Toilette gehen oder an die frische Luft
– Kündigung ohne einen neuen Job zu haben

Der grosse Vorteil der Flucht ist der, dass die produzierten Hormone in deinem Körper durch die Muskeltätigkeit wieder verarbeitet werden und nicht in deinem Körper abgelagert werden.

Kampf: Du stellst dich der Gefahr und gehst auf die Konfrontation ein. In jeder Epoche war die Flucht keine Option mehr und wir Menschen mussten uns dem Kampf stellen. In der heutigen Zeit zeigt sich das im beruflichen Umfeld wie folgt:

– Mehrere Argumente aufzählen ohne die Reaktion des anderen mehr zu beachten
– Randbemerkungen an oder unter der Gürtellinie
– Beleidigungen
– Schritte auf dein Gegenüber zumachen und in seinen Wohlfühlbereich eintreten (ca. 1 Meter Radius um sie herum)
– Entscheidungen treffen die du im Nachhinein bereust

Im Kampfmodus erzeugt Dein Körper die genannten Hormone, weil er davon ausgeht, dass die Gefahr nun bekämpft werden muss. Leider können diese Hormone jedoch nur schlecht verarbeitet werden. Denn zu viele dieser Hormone in deinem Körper führen dann zu Stress, Symptomen der Erschöpfung und BurnOut (Erschöpfungsdepression). Entspannungstechniken oder Sport helfen, diese Hormone wieder aus deinem Körper heraus zu bekommen.

Apathie oder „sich totstellen“: Viele Mitarbeiter haben in einem schlechten Teamumfeld nicht den Mut sich zu äussern, geschweige denn zu flüchten oder sogar zu kämpfen. Sie ziehen sich zurück, stellen sich stumm oder hoffen nicht angesprochen zu werden. Sie sind nicht mehr wahrnehmbar. Für dich als Führungskraft ein hohes Warnzeichen, dass dahinter die Angst stecken kann. Dabei ist es nun umso wichtiger, die Kommunikation mit dem Mitarbeiter zu suchen, fördern und vor allem zuhören!

Wenn du nun die einer oder andere Verhaltensweise von Flucht, Kampf oder Apathie an Dir bemerkst, dann darfst du etwas an der(n) Situationen verändern und dein Selbstvertrauen stärken.

 

Selbstvertrauen aufbauen um Vertrauen geben zu können

Viele sagen sich nun, das kann er so gut schreiben, und wie soll ich das machen? Wie bereits erwähnt, entsteht die Angst und damit die drei Reaktionen dann, wenn unsere Sinnesorgane etwas wahrnehmen und deinem Hirn weiterleiten. Und genau hier setze ich an! Angenommen dein Mitarbeiter äussert sich in einem Strategiemeeting negativ über deine Ziele und Ausrichtung des Teams, was bei dir sofort schlechte Gefühle und Angst auslöst. Es ist also zwischen deiner Wahrnehmung, deinem Gehirn das Bedeutung gab und deinem limbischen System das die Hormonproduktion startete etwas passiert. Du hast Dir Bilder vom Ausgang dieser Situation gemacht. Du hast dir vorgestellt, wohin diese Diskussion nun wohl führen wird! Jetzt ist es wichtig, dass du dir dieser Bilder wahr wirst, und sie beobachtest.

Vielleicht siehst du:
a) den Mitarbeiter der gleich brüllt und wütend wird
b) wie der wichtige Mitarbeiter dir die Kündigung überreicht
c) wie das Team dich nicht mehr begrüsst
– usw.

Achte in diesen Situationen nun auf die Bilder, die du dir im Kopf machst. Du wirst feststellen, dass es keine schönen Bilder sind, die du von dieser Situation machst. Doch genau diese Bilder kannst du verändern, denn sie müssen ja nicht so eintreten!? Was wenn du dir stattdessen folgendes vorstellst:

a) der Mitarbeiter hat selbst Angst den Job zu verlieren und hat sich beruhigt wieder hingesetzt
b) der Mitarbeiter möchte gerne weiterkommen und noch mehr in der Firma für uns tun
c) das Team lobt dich übermorgen beim Kaffee für deine selbstsichere und menschenfreundliche Art bei Konflikten

  • Wie ist Dein Gefühl, wenn du dir diese Situation jeweils mit den Bildern a) bis c) vorstellst?
  • Hat sich was verändert?
  • Wenn ja, welches Gefühl ist angenehmer?
  • In welchem Gefühl glaubst Du, wirkst Du selbstsicherer und mit Selbstvertrauen?

 

Die positive Spirale

Untersuchungen haben gezeigt, dass wir mit unserer inneren Einstellung den Ausgang eines Gesprächs oder Zusammenarbeit beeinflussen können. Glaubst Du daran, dass deine Mitarbeiter eine Arbeit gut erledigen werden, oder delegierst du diese Arbeit mit den Gedanken von Kontrolle und Zweifel? So wie du denkst, so wird es dein Mitarbeiter gefühlt aufnehmen und entsprechend sein Verhalten verändern.

Leadership Tipp „Positive Spirale“ erkläre ich dir im Detail, wie deine Einstellung die positive Spirale der Motivation auslöst.

Wenn du also deinen Mitarbeiter vertrauen willst, dann darfst du deine Bilder im Kopf unter deine Kontrolle bringen. Was für ein Bild machst du dir vom Endresultat, das die die Mitarbeiter/in liefern wird, im Moment der Delegation? Was glaubst du wird die Mitarbeiter/in am Empfang den Kunden sagen, wenn sie sie begrüsst? Welche Bilder der Resultate des Verkäufers der einen Kunden besucht hast du, wenn er dich kurz vor dem Termin noch um einen Rat per Telefon bittet?

Es sind deine Bilder im Kopf, die entscheiden ob dich deine Mitarbeiter vertrauensvoll wahrnehmen. Sie sind es, die Vertrauen transportieren und welche deine Mitarbeiter vertrauensvoll und motiviert arbeiten lassen. Für dich, dein Team oder Firma. In meinen Coachings und Seminare stelle ich immer eines fest. Je mehr Vertrauen ich bei den Unternehmern oder Führungskräfte spüre, umso erfolgreicher sind sie jeweils unterwegs.

 

Willst Du ein vertrauensvoller Mensch werden?

Dann rate ich dir ab sofort mindestens die drei folgenden Punkte aufzunehmen und umzusetzen:

=> Achte ab sofort auf deine Bilder im Kopf

=> Achte bei Konfrontationen auf die drei Verhaltensweisen die du an den Tag legst (Flucht, Kampf, Apathie)

=> Beginne beim Selbstvertrauen und fördere daraus das Vertrauen

Wenn du dir selbst vertraust, die Angst vor der Verletzlichkeit bewältigen kannst, dann wirst du Vertrauen schenken können. Und vergiss nicht, genauso wie du dein Selbstvertrauen aufbauen darfst, sind auch deine Mitarbeiter davon betroffen. Sind sie so selbstsicher, dass sie dir vertrauen und sich „verletzlich zeigen“ können? Wenn nein, wirst du als Führungscoach gefragt sein, und erst ihre Selbstsicherheit fördern dürfen, durch loben.

Ich vertraue dir, dass du dein Selbstvertrauen ausbauen wirst!

Dein Führungscoach

Toschi

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